Das
Abenteuer, ein Jahr im Ausland ist nun fast vorbei. Ich habe
außergewöhnliche Dinge in einem außergewöhnlichen Land erlebt und
muss sagen: Ich bin stolz auf mich!
In
diesem Jahr habe ich hier von meinem Abenteuer berichtet und euch
daran teilhaben lassen.
Jetzt
ist es aber Zeit für ein Fazit, noch nicht direkt über das Jahr
hier, dass wird erst in Deutschland kommen. Um ein abschließendes
Fazit zu schreiben, möchte ich nicht mehr hier sein und auf alles
zurückblicken können, mit ein wenig Abstand.
Heute
möchte ich eher ein Fazit über das Land und die Leute abgeben. Die
folgende Liste soll nicht den Eindruck erwecken, dass ich schauen
möchte, ob es sich gelohnt hat hierher zu kommen, sondern ich möchte
euch auf spannende Weise erzählen, was mir an diesem Land gefällt
und worauf ich verzichten könnte.
Obwohl,
eigentlich möchte ich auch auf die negativen Sachen nicht
verzichten, sie zeichnen das Land ja ebenso aus und haben mich
genauso geprägt. Ein perfektes Land gibt es eh nie, genauso wenig
wie es den perfekten Menschen gibt!!!
Das
Wetter:
Sehr
wechselhaft. Im Winter, also in der dunklen Jahreszeit ist es
wunderschön, dass alle Häuser hell und bunt erleuchten, aber die
Dunkelheit setzt einem schon zu. Man ist müde und leichter reizbar.
In der dunkelsten Zeit, konnte ich höchstens 1,5h am Tag das Licht
ausmachen.
Das
Wetter wechselt hier sehr schnell. In den Souveniershops gibt es das
T-shirt, auf dem eine Uhr gezeichnet ist, deren Ziffern mit
Wettersymbolen ersetzt worden. Drunter steht "Wenn dir das
Wetter nicht gefällt, warte 5 Minuten!" Den Satz würde ich
nicht so unterschreiben, aber das 5MInuten durch fahr 20 km weiter
ersetzt würde ich unterschreiben. Sobald man vom Meer wegfährt oder
in ein Tal fährt, kann das Wetter ganz anders sein.
Im
Winter kann es sehr viel und sehr stark schneien, es ist wunderschön,
solange man nicht aus dem Haus muss. In einer Nacht kann es sein,
dass 50cm Neuschnee kommt und am Morgen sieht alles vollkommen anders
aus.
Im
Sommer scheint auch hier die Sonne und lässt alles wachsen. Die
ununterbrochene Helligkeit setzt mir nicht zu, ich merke nur, dass
ich weniger Schlaf brauche.
Das
Essen:
Das
traditionell isländische Essen schmeckt mir generell nicht besonders
gut. Schafsinnereien im Milchreis und Gammelhai als Chipsersatz sind
eine Erfahrung wert, aber nicht wiederholungs bedürftig.
Daran,
dass Milchreis und Butter immer gesalzen sind, kann ich mich gut
gewöhnen und es schmeckt mir.
Ebenso
das traditionll isländische Laufabrauð zu Weihnachten hat mir sehr
gut geschmeckt, sodass ich es auch in Deutschland machen möchte.
Auch von Skýr könnte ich mich sehr gut ernähren, besonders mit
frischen Blaubeeren. Und die isländischen Kuchen und Gebäcke ein
Traum! Für manch einen vielleicht viel zu süß, aber lecker, auch
wenn mir bei manchen Teilchen die Zähne schmerzen, weil sie einfach
nur aus Zucker bestehen.
Die
Menschen:
Hier
gibt es nur ein klitzekleines Kontra, sie reden nicht viel und
manchmal kommt das Gefühl der Unfreundlichkeit auf, weil man es
anders gewohnt ist. Dennoch ausnahmslos alle Isländer, die ich
kennen gelernt habe, sind hilfsbereit, gastfreundlich und äußerst
höflich.
Die
Natur:
Hier
sieht es ähnlich aus wie bei den Menschen. Auf der Suche nach
beeindruckender und vielfältiger Natur, wird man auf Island auf
jeden Fall fündig. Ich habe zuvor noch nie eine solch überwältigende
Landschaft gesehen. Zu jeder Jahreszeit, zu jeder Tageszeit, bei
jedem Wetter und Lichteinfall sieht sie anders aus und verschlägt
mir immer wieder die Sprache aufs Neue. Ich finde noch immer keine
Worte für das, was ich empfinde, wenn ich einfach loslaufe und die
Schönheit sehe. Meist bleibe ich erst einmal stehen und genieße es
einfach.
Die
Insel:
Wer
es noch nicht wusste, Island ist eine Insel!! Dies hat gute und
schlechte Seiten. Die Sprache zum Beispiel hat sich seit
Jahrhunderten kaum verändert, sodass man auch noch sehr alte Texte
ohne große Probleme lesen kann, das habe ich auch schon probiert,
die erste Bibelübersetzung auf isländisch liegt in Hólar aus, ich
konnte sie lesen. In deutsch wird es schon bei Büchern aus dem 19.
Jahrhundert schwierig. Dennoch ist diese Sprache auch noch voll von
Grammatik und Schwierigkeiten, die in den modernen Sprachen immer
mehr verschwunden sind.
Die
geographische Lage dagegen bringt Nachteile, das meist muss
importiert werden, wodurch das Leben hier sehr teuer ist.
Die
Einsamkeit:
Mir
gefällt sie gut, aber man muss drauf vorbereitet sein! Es wird das
wohl entspannteste Jahr meines Lebens bleiben. Stress ist ein
Fremdwort, manchmal stört es mich immer noch, wenn an der Kasse
alles in Schneckentempo geht, aber sie haben die Zeit, also warum
Stress. Dennoch werden auch die einfachsten Dinge dadurch zum
Problem. Wenn man gesundheitliche Probleme oder ein Kind gebären
möchte, muss man entweder nach Akureyri oder Reykjavík, weil die
örtlichen Krankenhäuser nicht auf ernste Erkrankungen eingestellt
sind. Für mich war es ein entspanntes Jahr und die richtige
Entscheidung nach der mehr oder weniger stressigen Phase des Abiturs
hierher zu kommen und mich auf die wichtigen Dinge des Lebens zu
besinnen. Doch ich habe auch festgestellt, dass dieses Leben auf
Dauer nichts für mich wäre, da wäre es mir schon wichtig, dass ich
in Akureyri oder Reykjavík, bzw. in unmittelbarer Nähe wohnen
würde.
Ich
denke es wird deutlich, dass die positiven Punkte eindeutig
überwiegen. Island ist ein traumhaft schönes Land mit tollen Leuten
und einer unbeschreiblichen Natur, sodass sich jede Reise hierher
lohnt. Egal wie kurz oder lang sie ist. Da ich mich hier trotz der
Einsamkeit pudelwohl gefühlt habe, wird die Freude endlich nach
Hause zurückzukehren aber auch von der Trauer getrübt, dass ich
dieses Land und die Leute für unbestimmte Zeit verlassen muss.
Aber
ich bin mir hundertprozentig sicher, es wird ein wiedersehen geben!
Es liegt ja schließlich auch in meiner Hand und nicht nur in der des
Schicksals :)
Jetzt
freue ich mich aber natürlich auch auf die neuen Herausforderungen,
die mich in Deutschland erwarten!
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