Samstag, 12. Juli 2014

Fazit


Das Abenteuer, ein Jahr im Ausland ist nun fast vorbei. Ich habe außergewöhnliche Dinge in einem außergewöhnlichen Land erlebt und muss sagen: Ich bin stolz auf mich!
In diesem Jahr habe ich hier von meinem Abenteuer berichtet und euch daran teilhaben lassen.

Jetzt ist es aber Zeit für ein Fazit, noch nicht direkt über das Jahr hier, dass wird erst in Deutschland kommen. Um ein abschließendes Fazit zu schreiben, möchte ich nicht mehr hier sein und auf alles zurückblicken können, mit ein wenig Abstand.
Heute möchte ich eher ein Fazit über das Land und die Leute abgeben. Die folgende Liste soll nicht den Eindruck erwecken, dass ich schauen möchte, ob es sich gelohnt hat hierher zu kommen, sondern ich möchte euch auf spannende Weise erzählen, was mir an diesem Land gefällt und worauf ich verzichten könnte.
Obwohl, eigentlich möchte ich auch auf die negativen Sachen nicht verzichten, sie zeichnen das Land ja ebenso aus und haben mich genauso geprägt. Ein perfektes Land gibt es eh nie, genauso wenig wie es den perfekten Menschen gibt!!!

Das Wetter:
Sehr wechselhaft. Im Winter, also in der dunklen Jahreszeit ist es wunderschön, dass alle Häuser hell und bunt erleuchten, aber die Dunkelheit setzt einem schon zu. Man ist müde und leichter reizbar. In der dunkelsten Zeit, konnte ich höchstens 1,5h am Tag das Licht ausmachen.
Das Wetter wechselt hier sehr schnell. In den Souveniershops gibt es das T-shirt, auf dem eine Uhr gezeichnet ist, deren Ziffern mit Wettersymbolen ersetzt worden. Drunter steht "Wenn dir das Wetter nicht gefällt, warte 5 Minuten!" Den Satz würde ich nicht so unterschreiben, aber das 5MInuten durch fahr 20 km weiter ersetzt würde ich unterschreiben. Sobald man vom Meer wegfährt oder in ein Tal fährt, kann das Wetter ganz anders sein.
Im Winter kann es sehr viel und sehr stark schneien, es ist wunderschön, solange man nicht aus dem Haus muss. In einer Nacht kann es sein, dass 50cm Neuschnee kommt und am Morgen sieht alles vollkommen anders aus.
Im Sommer scheint auch hier die Sonne und lässt alles wachsen. Die ununterbrochene Helligkeit setzt mir nicht zu, ich merke nur, dass ich weniger Schlaf brauche.

Das Essen:
Das traditionell isländische Essen schmeckt mir generell nicht besonders gut. Schafsinnereien im Milchreis und Gammelhai als Chipsersatz sind eine Erfahrung wert, aber nicht wiederholungs bedürftig.
Daran, dass Milchreis und Butter immer gesalzen sind, kann ich mich gut gewöhnen und es schmeckt mir.
Ebenso das traditionll isländische Laufabrauð zu Weihnachten hat mir sehr gut geschmeckt, sodass ich es auch in Deutschland machen möchte. Auch von Skýr könnte ich mich sehr gut ernähren, besonders mit frischen Blaubeeren. Und die isländischen Kuchen und Gebäcke ein Traum! Für manch einen vielleicht viel zu süß, aber lecker, auch wenn mir bei manchen Teilchen die Zähne schmerzen, weil sie einfach nur aus Zucker bestehen.

Die Menschen:
Hier gibt es nur ein klitzekleines Kontra, sie reden nicht viel und manchmal kommt das Gefühl der Unfreundlichkeit auf, weil man es anders gewohnt ist. Dennoch ausnahmslos alle Isländer, die ich kennen gelernt habe, sind hilfsbereit, gastfreundlich und äußerst höflich.

Die Natur:
Hier sieht es ähnlich aus wie bei den Menschen. Auf der Suche nach beeindruckender und vielfältiger Natur, wird man auf Island auf jeden Fall fündig. Ich habe zuvor noch nie eine solch überwältigende Landschaft gesehen. Zu jeder Jahreszeit, zu jeder Tageszeit, bei jedem Wetter und Lichteinfall sieht sie anders aus und verschlägt mir immer wieder die Sprache aufs Neue. Ich finde noch immer keine Worte für das, was ich empfinde, wenn ich einfach loslaufe und die Schönheit sehe. Meist bleibe ich erst einmal stehen und genieße es einfach.

Die Insel:
Wer es noch nicht wusste, Island ist eine Insel!! Dies hat gute und schlechte Seiten. Die Sprache zum Beispiel hat sich seit Jahrhunderten kaum verändert, sodass man auch noch sehr alte Texte ohne große Probleme lesen kann, das habe ich auch schon probiert, die erste Bibelübersetzung auf isländisch liegt in Hólar aus, ich konnte sie lesen. In deutsch wird es schon bei Büchern aus dem 19. Jahrhundert schwierig. Dennoch ist diese Sprache auch noch voll von Grammatik und Schwierigkeiten, die in den modernen Sprachen immer mehr verschwunden sind.
Die geographische Lage dagegen bringt Nachteile, das meist muss importiert werden, wodurch das Leben hier sehr teuer ist.

Die Einsamkeit:
Mir gefällt sie gut, aber man muss drauf vorbereitet sein! Es wird das wohl entspannteste Jahr meines Lebens bleiben. Stress ist ein Fremdwort, manchmal stört es mich immer noch, wenn an der Kasse alles in Schneckentempo geht, aber sie haben die Zeit, also warum Stress. Dennoch werden auch die einfachsten Dinge dadurch zum Problem. Wenn man gesundheitliche Probleme oder ein Kind gebären möchte, muss man entweder nach Akureyri oder Reykjavík, weil die örtlichen Krankenhäuser nicht auf ernste Erkrankungen eingestellt sind. Für mich war es ein entspanntes Jahr und die richtige Entscheidung nach der mehr oder weniger stressigen Phase des Abiturs hierher zu kommen und mich auf die wichtigen Dinge des Lebens zu besinnen. Doch ich habe auch festgestellt, dass dieses Leben auf Dauer nichts für mich wäre, da wäre es mir schon wichtig, dass ich in Akureyri oder Reykjavík, bzw. in unmittelbarer Nähe wohnen würde.

Ich denke es wird deutlich, dass die positiven Punkte eindeutig überwiegen. Island ist ein traumhaft schönes Land mit tollen Leuten und einer unbeschreiblichen Natur, sodass sich jede Reise hierher lohnt. Egal wie kurz oder lang sie ist. Da ich mich hier trotz der Einsamkeit pudelwohl gefühlt habe, wird die Freude endlich nach Hause zurückzukehren aber auch von der Trauer getrübt, dass ich dieses Land und die Leute für unbestimmte Zeit verlassen muss.
Aber ich bin mir hundertprozentig sicher, es wird ein wiedersehen geben! Es liegt ja schließlich auch in meiner Hand und nicht nur in der des Schicksals :)
Jetzt freue ich mich aber natürlich auch auf die neuen Herausforderungen, die mich in Deutschland erwarten!

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