Wenn wir
an Wikinger denken, denken wir wahrscheinlich erst einmal an Wicki
und dann an raue Männer, die ihr Leben auf dem Schiff verbringen
und mordend und raubend durch die Weltmeere segelten, wie der böse
Sven.
Die
isländischen Wikinger sollte man sich aber nicht so vorstellen. Es
waren keine mordenden Seefahrer, sondern freie norwegische Bauern,
die nicht unter der Herrschaft von König Haraldur leben wollten. Aus
dem Grund haben sie Norwegen verlassen und haben sich auf die Suche
nach neuem geeigneten Siedlungsland gemacht. Dabei sind sie auch auf
Island gestoßen. 865 machte sich Flóki Vilgerðarson auf und
besiedelte die Nordwestküste Islands. Von ihm hat Island auch seinen
Namen "Eisland". Er hat diesen Namen gewählt, da er zwei
Winter hier festsaß, da er aufgrund von Treibeis die Insel nicht
verlassen konnte.
Der Name
ist wohl in heutiger Sicht nicht gerade werbewirksam für eine
Neubesiedlung mit Hoffnung auf Landwirtschaft, aber dennoch hat sich
dieses neue Land in Norwegen schnell rumgesprochen und 874 wurde die
Insel sukzessiv besiedelt.
Vor
allem der Westen war mit seinem ausreichenden Weideland und seinen
reichhaltigen Fischgründen sehr begehrt. Hier waren auch die reichen
Bauern und Goden anzutreffen, wie z. B. Snorri Sturluson. Ebenso sind
dort die wohl bekanntesten Sagas Islands angesiedelt. Nicht nur die
bereits erwähnte Egils saga nehmen hier ihren Ausgang, sondern auch
die Laxdæla saga und die Eriks saga. Nicht überraschend sind also
die vielen Hinweise auf die isländischen Wikinger im Westen.
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| Eis im Juni (keine Ahnung, warum es unten gelb ist :D) |
Vor
knapp zwei Wochen habe ich mir neben meinen zwei Lopapeysur das wohl
langlebiegste Erinnerungsstück an mein Jahr hier auf Island machen
lassen. Ich habe mir trotz meiner Panik vor Nadeln ein Tattoo stechen
lassen. Es hat schon einiges an Überwindung gekostet und ich war
auch ziemlich nervös, aber im Nachhinein war es gar nicht mal so
schlimm. Es war super auszuhalten und die Bedenken, dass ich es vor
Schmerzen nicht aushalte und die Tränen nur so fließen waren auf
jeden Fall unnötig.
Mit dem
Ergebnis bin ich total zufrieden, auch wenn es manchmal noch komisch
ist, dass jetzt an meinem rechten Unterschenkel eine kleine Elfe
ihren Platz gefunden hat, aber es ist auf jeden Fall eine sehr schöne
Erinnerung an mein Jahr hier.
Froh bin
ich auch, dass es meiner Familie hier gut gefällt, davor hatte ich
irgendwie am meisten Bedenken, weil das hätte ich komisch gefunden,
obwohl ich es aufgrund der Temperaturen ja eh immer verdeckt habe.
Heute in
genau 4 Wochen ist es soweit, dann sitze ich um diese Uhrzeit
hoffentlich bei angenehmen Temperaturen draussen und genieße die
Abendsonne und den ersten Sonnenuntergang seit Wochen.
Gestern
war der längste Tag des Jahres, obwohl ja im Moment alle gleich lang
sind, schließlich wird es nicht mehr dunkel. Hier auf Island gibt es
die Mittsommernachtstraditionen wie in den sknadinavischen Ländern
nicht so. In Reykjavík findet man schon Veranstaltungen, aber die
sind erst in den letzten Jahren gekommen. Am 24. Juni ist auf Island
Jónsmessa und ist sozusagen die isländische Mittsommernacht, es
wird an diesem Tag im Grunde das selbe gemacht, wie in Skandinavien
zu Mittsommer. Die Leute treffen sich, machen sich einen geselligen
Abend, spielen Mitternachtsgolf oder laufen den traditionellen
Jónsmessagangur. Es ist eine Abendwanderung zu Ehren Johannes des
Täufers. Dieser Nacht werden besondere Kräfte zugesprochen. Kühe
können plötzlich sprechen und Seehunde werden zu Menschen. Kräutern
und Pflanzen die in dieser Nacht gesammelt werden, wird eine magische
Wirkung zugesprochen. Einer isländischen Sage nach soll man sich in
der Nacht auf eine Kreuzung setzen, von der alle vier Richtungen zu
einer anderen Kirche führen. Wenn dies erfüllt ist, bekommt man von
Elfen Nahrung und Geschenke.
Es ist
also eine sehr magische Nacht hier auf Island.
Da
Jónsmessa kein offizieller Feiertag mehr ist, wird das meiste aufs
Wochenende verschoben. Wir haben auch am Freitagabend Jónsmessa
gefeiert. Wir haben schön zusammen gegessen und Samstag waren wir
dann auf der Farm um dort Glückwünsche auszutauschen und Kräuter
zu sammeln. Am Dienstag ist dann hier die Jónsmessawanderung.
| Wikingersagen |
| Meine isländische Elfe :) |




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